Vorab sei gesagt, das der Autor dieses Beitrags ein ziemlicher Vielfraß ist!
Es geht hierbei also wirklich nicht um die Größe von Speisen auf den Tellern. Oder vielleicht irgendwie doch…

Eine kleine Impression aus meiner Ausbildung.

3 Damen sitzen im Garten. Sie wollen einen schönen Abend verleben, haben noch etwas Hunger. Sie bestellen bei mir 3 Portionen Wildkartoffeln. Ich schaue mir ihre Gesichter an und verneine, biete schließlich nur eine Portion für alle 3 an, da die Portionen sehr mächtig sind, mit der Begründung, das wenn wirklich noch Hunger besteht, man ja schließlich noch mal nachbestellen kann.

Was denk ich mir denn? Umsatz ist doch die oberste Maxime!

Falsch! Die oberste Maxime ist es, den Gast glücklich zu machen.
Sagen wir mal so: Ich durfte mir natürlich von einem Vorgesetzten einen dummen Spruch anhören, was ich doch für ein schlechter Verkäufer bin…
Ich hab ja schließlich nur ein Drittel von dem verkauft, von dem was ich hätte verkaufen können.
Es blieb schließlich bei der einen Portion, bei der tatsächlich sogar noch etwas übergeblieben ist. Doch die Damen bedankten sich bei mir, das ich sie „gewarnt“ habe.
Dieses Verhalten hatte sich in ihren Köpfen eingebrannt.
Die guten Damen wurden schließlich Stammgäste, aufgrund der Ehrlichkeit des Services.
Und somit kamen sie öfter und ließen öfter ihr Geld liegen, als nur dieses eine Mal.

Was bringt jetzt mehr?

Mit aller Macht Umsatz machen und nicht auf die Bedürfnisse der Gäste eingehen, oder die Menschen fair behandeln, sodass sie immer wieder gerne zurückkommen?
Think outside the Box! Dadurch habe ich im Endeffekt doch mehr verkauft!
Ehrlichkeit und Fairness währt in unseren Augen in der Gastro am längsten, anstatt in seinen Gästen nur Scheine und Münzen zu sehen.

Anderes Beispiel

Stuttgarter Bar. Eine Dame bestellt zur ersten Runde einen Prince of Wales. Grand Marnier, Benedictine, Cognac, Champagner, keine Süße, keine Säure. Im Prinzip purer Alkohol. Unzumutbar für eine Frau, die zum ersten mal in eine professionelle Cocktailbar geht und nicht weiß was sie bestellen soll. Hier ist es unsere Aufgabe die Gäste zu warnen und abzuholen. Für die erste Runde sehr gewagt. Aber wenn sie möchten hätten wir ihnen zum Start eine schöne Gin Sour Variante mit der Süße der Holunderblüte, frischgepresste Zitrone, einen selbstgemachten Teeblend aus Earl Grey und Kamille, die zum Schluss veredelt wird mit Rosenwasser das wir darüber sprühen.
Kostet weniger und es wird ihr schmecken. Hätte sie den Prince of Wales getrunken, wäre sie nie wieder zu uns gekommen. Wir hätten zwar 3€ mehr eingenommen, aber einen Gast verloren.

Nicht mit aller Macht verkaufen sollte die Maxime lauten

Liebe Gastronomen, geht fair mit euren Gästen um und liebt und lebt euren Beruf.
Sie werden es euch danken, indem sie immer wieder kommen.

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