Nicht nur privat wird inzwischen alles mit dem Smartphone festgehalten und der Community geteilt, auch was unsere Arbeit angeht, gehört Social Media mittlerweile fest dazu. Dass diese Nutzung aber nicht immer nur einen positiven Effekt mit sich bringt, vergessen dabei viele. Wir beleuchten das Ganze mal anhand von ein paar Beispielen:

Was sind wir nicht stolz sobald eine Neukreation steht. Ob nun ein neues Gericht oder ein neuer Cocktail, jeder möchte sein gelungenes Werk gekonnt in Szene setzen. Da werden erst einmal die Lichtverhältnisse ganz genau gecheckt, alles von Hand zurecht drapiert und zusätzliche Deko heran gekarrt. Eben alles für das perfekte Bild. Alles, um auf Facebook und Instagram Likes zu kassieren. Alles, um anderen zu zeigen, was man drauf hat. Alles, um neue Gäste anzulocken. Und alles, um vielleicht auch junge Menschen für die Gastronomie zu begeistern.

Auf diese Arbeit darf und soll man auch zurecht stolz sein. An dieser Stelle auch noch mal ein Aufruf in eigener Sache: Wir freuen uns immer, wenn ihr eure Bilder mit #mexxonomy taggt und teilen diese auch gerne über unsere Kanäle! Schließlich ist es genau diese Leidenschaft für die Gastronomie, die uns alle vereint.

Auf der anderen Seite machen wir uns genau dieses Erfolgserlebnis manchmal selbst wieder kaputt. Mit Bildern und Aussagen, die wir liken und teilen, weil sich viele von uns in den Darstellungen wiederfinden. Und dabei oft gar nicht beachten, welches Bild unserer Arbeit wir damit reproduzieren. Eine kleine Kostprobe gefällig?

„Wenn man unsere geleisteten Arbeitsstunden mit denen eines normalen Jobs vergleichen würde,
dann dürften wir mit 40 in die Rente gehen.“

„Was haben ausgeschlafene Gastronomen mit fliegenden Elefanten gemeinsam?
Sie existieren nur in der Fantasie.“

„Normale Menschen brauchen 60 Minuten um nach der Arbeit runterzukommen.
Gastronomen brauchen eine Therapie.“

„Gastronomen werden nicht älter.
Sie haben keine Zeit dazu.“

„Du hast also eine 40-Stunden-Woche?
Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen ersten Teilzeitjob.“

„Du meinst die Ausbildung zum Koch ist einfach?
Dann frag mal die 70 Prozent, die abgebrochen haben.“

Zugegeben, als Gastronom fühlt man sich von sarkastischen Aussagen wie diesen manchmal sehr verstanden und gibt umso schneller sein Like ab. Gut für die Seiten, die diese gefühlt schon tausendmal gelesenen Sprüche gepostet haben. Der Effekt für die Seite: Wachstum und eine größere Reichweite. Aber vergesst dabei nicht: Wir sehen jeden Tag auf der eigenen Timeline, wo andere ihr „gefällt mir“ abgeben. Die Beiträge, die ihr likt, werden so auch euren Freunden und Bekannten angezeigt.

Außenstehende halten uns für völlig verrückt, wenn sie solche Sätze lesen. Wir alle lieben die Gastronomie – kein Tag ist gleich, es ist geil mit Gleichgesinnten und im positiven Sinne ebenso bekloppten Leuten zu arbeiten und den Laden zu rocken. Doch für jemanden, der mit dieser Welt nichts oder nur oberflächlich zu tun hat, sieht das ganz anders aus. Stellen wir uns mal vor, ein 15-Jähriger liest einen solchen Spruch, bei dem man stolz darauf ist, das man zu den 30 Prozent gehört (was noch dazu statistisch gesehen auch völlig falsch ist), die die Kochausbildung zu Ende gebracht haben. Ich glaube kaum, dass dieses Bild einen jungen Menschen, der gerade überlegt, welchen Beruf er wählen soll, dazu motiviert, sich als Koch bzw. in der Gastronomie zu bewerben. Wer macht sich denn schließlich gerne freiwillig für andere zum Depp.

Unsere Branche leidet zurzeit unter einem großen Imageproblem. Daran sind meiner Meinung nach aber nicht nur Chefs und Vorgesetzte schuld, die einen ausnutzen und keinen Sinn für Menschlichkeit besitzen. Nein, mit Statements wie den oben genannten und ihrer Verbreitung trägt jeder einzelne von uns dazu bei, negative Vorurteile gegenüber der Gastronomie zu bestätigen. Wie soll sich das Bild denn ändern, wenn wir selbst genau solche Aussagen öffentlich unterschreiben?

Wir sind definitiv nicht die einzige Branche, in der so viel geleistet werden muss. Denkt nur einmal an Pfleger, Ärzte oder Bauern, die sich in Sachen Arbeitszeiten und Co. mit ähnlichen Problemen herumschlagen müssen. Ob es allerdings wirklich dadurch besser wird, dass wir unseren Unmut immer wieder in die Social-Media-Welt hinaus posaunen, wage ich zu bezweifeln. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Also lasst uns lieber etwas dagegen tun, anstatt sich ständig nur zu beklagen!

2 KOMMENTARE

  1. Also ich bereue meine 25 jahre Gastronomie nicht. Würde sofort wieder den Beruf Koch erlernen. Es gibt kein anderes Gewer das so vielseitig, Kreativ, fordernt und lehrreich ist.
    KM Richard König

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