Mit dem Partner zusammen zu arbeiten kann manchmal eine ganz schöne Geduldsprobe sein – oder aber auch eine große Bereicherung. Unsere Gastautorin Jule kennt beide Seiten der Medaille und weiß deshalb genau, wie das so läuft mit der Gastro und den Beziehungen …

Erst einmal kurz zu mir: Ich heiße Jule und war zu der Zeit, als die Geschichte spielt, gerade 16 und hatte meinen Realschulabschluss in der Tasche. Im August 2015 habe ich meine Ausbildung begonnen und war damals ehrlich gesagt erst noch an einen anderen vergeben, der allerdings nicht in der Gastronomie tätig war. Im ersten Jahr der Berufsschule war ich dann mit Köchen, Systemgastronomen, ReFas und HoFas in einer Klasse. Am ersten Schultag im Januar saßen alle schon in der Klasse, als nach etwa zehn Minuten die Tür aufging und ein weiterer Schüler mit seinem Kumpel einlief – und damit fing die Liebesgeschichte wohl an.

Mein damaliger Freund und ich trennten uns und ich kam mit besagtem Mitschüler, nennen wir ihn mal Alex, zwar sehr gut klar, war aber nicht wirklich an etwas interessiert, schließlich war ich auch gerade erst wieder frisch Single. Dann stand die Intergastra an und wir besuchten die Messe gemeinsam als Klasse. Wie das eben so ist, wird bei solchen Ausflügen auch gerne mal etwas getrunken – mit Ausnahme von mir, die zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich Alkohol trank. Alex war auf jeden Fall ganz schön angeheitert und gab mir beim Gehen plötzlich einen Kuss – was mich erst einmal ziemlich geschockt und überwältigt zurückließ.

Um niemanden hier mit der Geschichte zu langweilen, spule ich ein bisschen vor: Wir trafen uns häufiger und kamen schließlich auch zusammen. Mittlerweile haben wir beide erfolgreich unsere Ausbildung absolviert und sind immer noch ein Paar. Da er jedoch seine Ausbildung verkürzt hat, war er früher fertig als ich und übernahm das Restaurant seiner Eltern, in dem ich nun ebenfalls tätig bin. Und damit zur eigentlichen Sache, die euch wahrscheinlich mehr interessiert: wie es ist, wenn man mit dem Partner zusammen arbeitet.

Gerne gebe ich euch einen Einblick in meine Gefühle und sage euch auch meine Meinung dazu: Als ich mit der Ausbildung fertig war, sind wir direkt zusammen in eine Wohnung gezogen. Ein ziemlich großer Akt, da man von da an wirklich 24/7 aufeinander sitzt. Du gehst zur Arbeit, siehst ihn, du gehst nach Hause, siehst ihn, du hast frei und machst natürlich trotzdem was mit ihm. Weil man sich ja auch liebt. Trotzdem ist es oft nicht das Einfachste, so viel von seinem persönlichen Freiraum abzugeben. Auf der anderen Seite ist es aber für mich auch wiederum das Schöne daran, etwas teilen und sich gegenseitig unterstützen zu können und in allen Hinsichten füreinander da zu sein.

Man erreicht doch zusammen viel mehr als alleine – oder ist das nur meine Meinung? Wenn man einen (familiären) Betrieb führt, dann arbeitet man füreinander, das ist das Tolle daran. Klar muss ich gestehen, dass es nicht immer einfach ist und man sich auch mal mit seinem Partner in die Haare bekommt, aber dafür hat auch jeder wieder seinen Bereich, in dem er am besten ist. In diesem Fall er in der Küche, ich im Service. Außerdem lässt die Situation einen erwachsener werden und schweißt einen mit dem Partner und der Familie deutlich mehr zusammen – schließlich teilt man nicht nur Glück und Freude, sondern auch Stress und Problemsituationen, die man zusammen meistert.

Ich kann ehrlich sagen, dass ich froh bin, mich so entschieden zu haben und es auch immer wieder tun würde. Wenn ihr also denkt, dass es nicht funktionieren kann, am Arbeitsplatz eine Partnerschaft zu führen, denkt an uns und versucht es einfach. Arbeitet an euch – oft liegen Probleme auch nur an der eigenen Einstellung, die man ändern kann. In unserem Fall klappt das zumindest bestens!

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