Mit welchem Alter sollte man in der Gastronomie starten? Was, wenn man sich nicht direkt nach dem Abschluss für eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich entschieden hat? Hat man als Quereinsteiger überhaupt Chancen? Ist man nicht schon zu alt, um noch einmal komplett von vorne anzufangen? Warum es sich trotzdem lohnt, auch als nicht mehr ganz so junger Mensch in das Berufsfeld Gastronomie einzusteigen, möchte ich Euch gerne beantworten.

Gastronomie – das war für mich lange einfach nur ein Wort, das ich zwar kannte, aber nicht wirklich häufig genutzt habe. Zuerst absolvierte ich meine erste Ausbildung zum Gas-Wasser-Installateur, danach folgten vier Jahre Bund, als nächstes eine Ausbildung im Radio und dann verschiedene Jobs im Bereich Werbung, PR und Redaktionen – Gastro hat da irgendwie nie reingepasst.

Privat sah das Ganze – zumindest unbewusst – allerdings ganz anders aus. Schon immer habe ich leidenschaftlich gerne gekocht, gebacken, gegrillt, geräuchert und alles, was sonst noch irgendwie mit der schmackhaften Zubereitung von Essen zu tun hat. Deshalb habe ich mich schlussendlich doch noch einmal damit auseinandergesetzt, ob ich das Ganze wirklich mein Leben lang nur als Hobby betreiben möchte. Und dann fasste ein Rädchen im Uhrwerk des Schicksals ins andere und ich hatte einen Ausbildungsvertrag zum Koch vor der Nase!

Mit 34 noch mal Azubi – das hätte ich mir früher auch nicht gedacht. Okay, mein Sous-Chef ist 22, die Klassenkameraden in der Berufsschule teilweise noch nicht einmal volljährig und mittendrin sitzt einer, der seit fast zehn Jahren verheiratet ist und zwei Kinder hat. Das ist schon ein bisschen seltsam, aber scheinbar nichts Besonderes, denn gerade in der Gastro scheint es einige Quereinsteiger zu geben. Probleme, mich meinem jüngeren Vorgesetzten unterzuordnen, hatte ich nie – dafür hat er mich zu sehr meinem Alter entsprechend behandelt und früh erkannt, dass die Motivation und Leidenschaft da ist, mit dem Teller zu arbeiten – nicht nur darauf.

Jetzt bin ich kurz davor, ins zweite Lehrjahr zu kommen und hätte nicht gedacht, dass sich in einem Jahr so viel tun würde: Klassensprecher, Lehrgangsbester, Probearbeiten in einer Sterneküche, an der neuen Schule wieder Klassen- und sogar Schulsprecher und alles, was mir von den anderen entgegenkommt ist Freundschaft und Respekt. Mit 35 kann ich jetzt also endlich behaupten, dass ich angekommen bin – es hat nur etwas länger gedauert. Kein anderes Berufsfeld hat mich mit all seinen Facetten, der Kollegialität, den Möglichkeiten und Aufstiegschancen so sehr umgehauen und befriedigt wie die Gastronomie.

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