Einmal Blut geleckt, kommt man oft einfach nicht mehr los. So auch im Lebenslauf unserer heutigen Gast-Autorin: „Es fing mit einem normalen Nebenjob an. Als ich 15 Jahre alt war, begann ich als Aushilfe im Service zu arbeiten. Schnell merkte ich, dass mir die Sache liegt und auch Spaß macht. Drei Saisonjahre später entschied ich mich also, eine Lehre in der Gastronomie zu absolvieren.

Als Nachrücker kam ich nach Ausbildungsbeginn in die Lehre zur ReFa (Restaurantfachfrau) und konnte mich gut einfügen – aber jede Lehre hat ihre Tücken. Konnte man nicht so arbeiten, wie der Betrieb es wollte (in meinem Fall zum Beispiel wenn ich Unterricht hatte), wurde man ganz schnell gekündigt. Also musste ich mich auf die Suche nach einem neuen Betrieb machen, was ich zum Glück schon innerhalb eines Tages bewältigte. An meinem neuen Standort konnte ich zwar nur Fachkraft im Gastgewerbe lernen, aber das spielte für mich keine große Rolle.

In den zwei Jahren dort war ich wirklich der Depp vom Dienst und bekam den Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ deutlich zu spüren. Wirklich gelernt habe ich in diesem Betrieb allerdings auch nicht viel und war deshalb größtenteils auf mich allein gestellt. Mit Büchern, über Erfahrungsberichte und durch andere Gastronomen lernte ich das, was ich in der Schule und für die Prüfung brauchte.

Am Ende meiner Lehre bewarb ich mich in einem Hotel, wo ich die Chance bekam mein drittes Lehrjahr zur ReFa zu beenden. Dort kam es dann zum ersten Rückschlag – ich erlitt einen Bandscheibenvorfall, der mich völlig aus der Bahn warf und zum Aufhören zwang. Drei Monate Krankheit hielten mich zuhause fest. Doch ich ließ mich nicht unterkriegen und fing als ausgelernte Fachkraft im Gastgewerbe auf einem kleinen Schiff bei mir im Ort an.

Monate später erfuhr ich, dass ich schwanger bin. Auf den ersten Blick wieder ein Rückschlag, da ich erst 21 war und in der Schwangerschaft unter starken Beschwerden litt, die mich erneut zu einer Pause zwangen. Aber auch hier ließ ich mich nicht unterkriegen: Fast drei Jahre später, mein Sohn war nun zwei Jahre alt, fing ich in einem renommierten Restaurant in unserer Stadt an und bekam auch gleich die Stelle der Serviceleitung zugeteilt. Der Job bereitete mir Freude und ich genoss die Zeit bei der Arbeit.

Es lief soweit alles gut, bis ich mich im Juli 2015 vom Vater meines Sohnes trennte. Mithilfe meiner Familie versuchte ich dennoch so gut es ging Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Anfangs hat das noch ganz gut funktioniert, doch im Dezember 2016 konnte ich nicht mehr. Der Stress mit Kind, Arbeit und Haushalt ging nicht spurlos an mir vorüber und ich entschied mich dazu, mir eine einjährige Auszeit zu nehmen. Mein Sohn brauchte mich und ich musste wieder zu Kräften kommen. In diesem Jahr versuchte ich mich in der Modeindustrie. Doch auch wenn mir die Tätigkeit lag, machte es mich einfach nicht glücklich.

Im März 2018 gab mein ehemaliger Chef aus dem Restaurant mir eine zweite Chance und stellte mich wieder ein. Ich konnte einfach nicht ohne die Gastronomie und war glücklich, wieder zurückgefunden zu haben. Doch dann im Juli 2018 erneut ein Schicksalsschlag: Ich erlitt einen zweiten Bandscheibenvorfall, konnte mich nicht mehr richtig bewegen. Als ich mich zum Arzt schleppte erfuhr ich, dass ich zusätzlich an Arthrose im Rücken erkrankt war. Das war’s. Ich bekam gesagt, der Bereich Service und alles, was damit zu tun hat, wären fortan tabu.

Was soll man mit dieser Diagnose anstellen? Ich war am Ende. Elf Jahre an Erfahrung, Schweiß, Tränen, gute Zeiten und schlechte Zeiten musste ich aufgeben. Zum ersten Mal in meinem Leben wusste ich wirklich nicht weiter. Ich zerbrach mir den Kopf darüber, was ich machen sollte. Mein Herz hing an der Gastronomie, aber der Vernunft wegen erwägte ich eine Umschulung zur Industriekauffrau. Ein guter Freund von mir, selbst Gastronom mit Leib und Seele, schritt schließlich ein und brachte mich darauf, eine Umschulung im Bereich der Gastronomie in Betracht zu ziehen. Gesagt, getan. Im Oktober fing ich eine Eingliederungsmaßnahme in einer Volkshochschule an, um meine schulischen Kenntnisse aufzufrischen und so voller Energie und Wissen in diesem Jahr eine Umschulung auf Teilzeit zur Hotelkauffrau zu beginnen.

Mein Fazit: Auch wenn es mit Kind bzw. als alleinerziehende Mutter in der Gastronomie nicht immer leicht ist und man oft einen Rückschlag nach dem anderen erleidet, gibt es immer einen Weg. Auch wenn es mal Kollegen gibt, mit denen man nicht so gut kann oder die einen nicht mögen, sollte man sich nie unterkriegen lassen. Man schafft alles, man muss nur für sein Ziel kämpfen. Nach dunklen Tagen kommen auch wieder helle.“

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