Dass Selbstständigkeit als Bartender nicht nur klassisch mit der eigenen Ausschank-Location funktioniert, sondern auch in Form von Events, Schulungen, Workshops etc. Erfolg haben kann, zeigt unser Gast-Autor Matthias Wengenmayr mit seinem Projekt Barmann Superfine Tasting. Wie es dazu kam, erklärt er ausführlich in unserem Blogbeitrag:

Faszination von Kindesbeinen an

Aufgewachsen in Schwaben an der Grenze zu Oberbayern, wird man hier schon sehr früh an das beliebteste Grundnahrungsmittel geführt: das Bier. Schon als kleiner Junge wollte ich immer Opas Weißbier einschenken und die schönste Schaumkrone überhaupt kreieren. Dabei hat mich am meisten begeistert, wie sehr sich mein Opa darüber gefreut hat. Anfangs zwar nur in der Familie und im Freundeskreis, hatte ich schon damals Spaß daran, auf Festen und Partys den Ausschank zu übernehmen. Es ist toll, Menschen um sich herum zu haben, die feiern und Spaß haben, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und immer neue Bekanntschaften zu machen.

Die ersten Berührungspunkte

In der Schule hatte ich viele Gelegenheiten, in die Hotellerie und Gastronomie zu schnuppern – die Erfahrungen, die ich gemacht habe, waren allerdings unterirdisch und eher abschreckend. Die Führungskräfte waren überfordert, permanent gestresst und wussten nicht, was sie mit mir als Praktikanten anfangen sollten. Das hat mich mitunter dazu bewogen, stattdessen erst einmal in die Industrie zu gehen und dort meine Ausbildung zu absolvieren. Nach sechs Jahren in einer großen IT-Firma hatte ich das Gefühl, dass mir etwas fehlte: der Kontakt zu Menschen. Klingt etwas komisch, wenn man bedenkt, dass an meinem Firmenstandort rund 1800 Menschen beschäftigt waren. Aber selbst, wenn man im gleichen Büro saß, war jeder mit sich selbst beschäftigt und man kommunizierte quasi nur per Mail miteinander.

Aufblühen einer alten Liebe

Ich hatte die Befürchtung, dass mich diese Umstände auf Dauer sozial verarmen lassen würden. Also musste ein Ausgleich her und ich erinnerte mich zurück, wie viel Spaß mir das „Ausschenken“ damals gemacht hat. Wie belebend es sich für mich anfühlte, Menschen etwas zu trinken zuzubereiten. Deshalb war mein erste Gedanke direkt, mich ein- bis zweimal pro Woche an eine Bar zu stellen und Cocktails auszuschenken – wie schwer kann das schließlich schon sein. Also habe ich mich bei ein paar Bars in Augsburg beworben, durfte zum Probearbeiten und konnte nach kurzer Zeit auch bereits eine Stelle in einem mexikanischen Lokal mit Barbetrieb ergattern. Ich war vorher nur einmal zum Essen dort, das auf mich zwar eher überschaubar wirkte, aber die Mitarbeiter bzw. Kollegen waren spitze.

Ab hinter die Theke

Nun ich habe die Cocktail-Rezepte in die Hand gedrückt bekommen und musste etwa 130 Drinks auswendig lernen. Ja, es hat ein bisschen gedauert, bis ich alle drauf hatte, da ich eher der „learning by doing“-Typ bin, aber es hat mir so unglaublich viel Spaß gemacht. Gerade am Wochenende war der Laden brechend voll und man hatte eigentlich immer zwei Hände zu wenig. Wenn man aber Lob von den Gästen bekommt oder sieht, wie glücklich sie sind, wenn der Drink, der ihnen empfohlen wurde, genau passt, das Arbeitsklima fast schon familiär ist und man immer wieder mit den mit den Kollegen Späße machen kann, lohnt sich das Ganze definitiv. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich mir meinen Einstieg in die Barszene kaum besser hätte vorstellen können und darüber sehr dankbar bin.

Im Cocktailfieber

Es hatte mich erwischt. Ich wollte immer mehr wissen: wie alles anfing mit der Bar und den Cocktails, Einzelheiten zu den Zutaten und deren Herstellung und was man wie kombinieren kann. Das Meiste ist wirklich ein Selbststudium – ich habe Bücher verschlungen, Rezepte nachgemacht, um sie zu verstehen und mit Zutaten experimentiert. Auch Seminare und Workshops habe ich besucht, um überall Wissen abzugreifen. In der Bar, in der ich anfing, war das irgendwann zu viel und ich hatte das Gefühl, mein Potenzial nicht voll entfalten zu können.

Die Barkultur kommt zu dir

Es hat nur zwei Jahre gedauert, bis ich gemerkt habe, dass es weitergehen muss. Ich wollte mich selbstständig machen. Direkt eine eigene Bar aus dem Boden zu stampfen kam aber nicht in Frage – also habe ich mir stattdessen überlegt, wie ich Menschen die Barkultur und hochwertige Drinks näher bringen kann. Schnell hatte ich die Idee, dass wenn die Leute nicht zu mir kommen können, ich einfach zu ihnen komme. Die Bar da, wo du sie brauchst. Ich erinnerte mich an Feiern und Partys, die ich schon besucht oder veranstaltet hatte. Oft wollte man den Gästen Cocktails anbieten, ohne dass man sich selbst damit auskannte. Ich dachte an den Aufwand, den die Leute haben: sich auszudenken welchen Cocktails man anbieten sollte und was man dafür braucht. Wer soll die Cocktails auf der Party machen, ich als Gastgeber, ein Freund? Sicher keine optimale Lösung. Hat man überhaupt genügend Gläser und, ohje, das Spülen am nächsten Tag. Was macht man mit den ganzen übrig gebliebenen Zutaten? Säfte halten sich nicht lang und wann soll man den restlichen Alkohol trinken?

Barmann Superfine Tasting

Extravagante, ausgefallene Cocktail-Kreationen, hochwertige und selbstgemachte Zutaten und edle Glasware – die Idee für mein eigenes Bar-Catering war geboren. Die Leute sollen sich wohlfühlen und einen entspannten, stressfreien Abend verbringen – so als ob sie in eine stilvolle Bar gehen würden. Anders als in einer festen Bar habe ich keine Standard-Cocktailkarte. Für jedes Event wird in Absprache mit dem Veranstalter eine individuelle Karte erstellt, was mir viel kreativen Spielraum gibt und das Ganze wahnsinnig abwechslungsreich macht.

Wenn ich auf einer Veranstaltung das Bar-Catering übernehme, mit dem Aufbauen fertig bin und die ersten Gäste erscheinen und die Karte mustern, kann ich aus ihren Gesichtern lesen. Ein Stirnrunzeln, die Augen werden größer und man merkt, wie sich die Leute fragen: Hm, kein Touch Down, kein Cuba Libre, stattdessen ein Drink mit Gin, hausgemachtem Milchsirup, frisch gepresstem Orangen- und Zitronensaft, Gurke, Dill und Rosenlimonade? Dann kommt ein freudiges „Ja, den nehm‘ ich!“ Und wenn sie den Drink dann probieren, beginnen die Augen zu strahlen und sie halten vor Begeisterung ihren Freunden das Glas hin, um diese ebenfalls probieren zu lassen. Diese Reaktionen zu sehen ist unbezahlbar und für mich das Allerschönste.

Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen, denn ich bereite den Menschen mit dem, was ich tue eine Freude und schaffe Erinnerungen. Ich bin Barmann aus Leidenschaft.

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