Fotoalben sind nur was fürs Kaffeekränzchen bei den Großeltern? Von wegen! Aus der Idee, die Ausbildung facettenreicher und lebendiger auszurichten, entstand die Überlegung, ein eigenes Fotobuch mit meinen Azubis zu gestalten. Ganz nach dem Motto „Zeig, was du kannst – the stage is yours!“ sollte das Buch verschiedene Fachthemen aus den Bereichen Service und Küche widerspiegeln, die von zehn Auszubildenden erkundet wurden. Für die Leser, wie beispielsweise Gäste, Freunde und Familie, wurden die Themen wie eine Anleitung aufbereitet, um einen Einblick in die Welt der Gastronomie zu geben und gleichzeitig selbst zum Ausprobieren zu animieren. Die Kombination aus Bild und Text bot dabei die Möglichkeit, die Auszubildenden und ihre Arbeit authentisch zu präsentieren und die Leser unterhaltsam durch die Inhalte zu führen.

In diesem Artikel möchte ich Euch mit meiner Erfahrungen inspirieren und Tipps zur Umsetzung geben. Dabei spielt es keine Rolle, welche Position im Unternehmen Ihr gerade ausübt. Die Idee eignet sich für Ausbilder ebenso wie für Lehrlinge oder Fachkräfte – jeder kann die Initiative für die Umsetzung eines solchen Projekts ergreifen. Für mich ist entscheidend, dass sich das Prinzip in jedem Betrieb umsetzen lässt und es viele verschiedene Möglichkeiten der Verwirklichung gibt. Lasst Euch von der Idee begeistern und habt Spaß an der Realisierung. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich die Mühe auf jeden Fall lohnt: Die Umsetzung war eine echte Gaudi und das Ergebnis wurde mit großer Begeisterung aufgenommen.

Die Planung

Die richtige Vorbereitung ist für mich der wichtigste Punkt. Ihr könnt es mit der Diskussion um Mise en Place vergleichen: Während die einen Kollegen meinen: „MEP ist was für Schisser, das brauch ich nicht!“, gibt es auch solche wie mich, die alle Vorteile daraus ziehen und den besagten Kollegen freundlich anlächeln, wenn er dann bei hohem Gästeaufkommen im Kreis springt. Geholfen wird natürlich trotzdem, aber ein bisschen Schadenfreude darf in so einem Fall sein!

Vor allem wenn Ihr mit mehreren Abteilungen zusammen arbeitet, empfehle ich Euch, ein paar grundlegende Planungspunkte zu beachten. Bei einem gemeinsamen Treffen kann alles Nötige besprochen werden, jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit sich mit einzubringen und am Ende sind alle auf demselben Wissensstand. Folgende Fragen habe ich mir dabei gestellt:

  • Welche Chancen können sich durch das Projekt eröffnen?
  • Welche Ziele werden verfolgt und welche Ergebnisse streben wir an?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben und wer fungiert als Hauptansprechpartner?
  • Wie strukturieren wir das Projekt? Wie viel Arbeitszeit darf z. B. der Lehrling dafür verwenden und wann ist hierfür der richtige Zeitpunkt?
  • Wie viel Zeit planen wir für die Umsetzung ein?
  • Wie viel kostet uns das Projekt und wer trägt die Kosten?

Nachdem diese Punkte klar definiert waren, stellte ich das Projekt den Lehrlingen vor.

Los geht’s

Am Anfang wurden die Auszubildenden gebeten, sich Gedanken über Fachthemen zu machen, die sie interessieren und ihnen Spaß bringen. Über einen Fragebogen wurden die Ergebnisse anschließend zusammen getragen. Als Ausbilder habe ich mir für die optimale Themenvergabe folgende Gedanken gemacht: Zum einen natürlich, auf welchem Wissenstand sich der Einzelne befand und mit welchem Thema man ihm am besten fordern und fördern könnte. Zum anderen sollte die Thematik durch Schulungen unterstützt werden und auch die Teamarbeit im Mittelpunkt stehen. Mit den Ideen von Lehrlingen und Ausbildern kam ein bunter Mix für das Fotobuch zusammen. Hier ein kleiner Auszug aus unserem kreativen Pool:

  • Beef Tatar servieren
  • Forelle filetieren mit der richtigen Technik
  • zwei Serviettenformen präsentieren
  • einen eigenen Cocktail kreieren
  • Pralinen selbst anfertigen
  • Die Wiener Kaffespezialität „Einspänner“ vorstellen
  • Ein Drei-Gänge-Menü vom Azubi-Küchenteam umsetzen

Die Umsetzung

Jeder Auszubildende konnte eine Doppelseite des Fotobuchs mit einem Thema füllen. Zunächst sollten sie sich Gedanken über den genauen Inhalt und die Gestaltung sowie die benötigten Arbeitsmittel machen. Nachdem diese Ausarbeitungen abgeschlossen waren, konnten die lang ersehnten Fotoshootings beginnen. Die Auszubildenden waren mit so viel Spaß und Motivation bei der Sache, dass ich wirklich große Freude bei der Umsetzung hatte.

Der Zeitaufwand für die einzelnen Shootings lag bei etwa zwei Stunden pro Auszubildendem, insgesamt haben wir das Projekt gemeinsam in rund vier Monaten umgesetzt. Die Gestaltung des Buches stellte sich als sehr zeitintensiv heraus: Zusammen mit den Azubis habe ich die schönsten Bilder, passende Texte und das Design ausgesucht. Aber wenn man zielstrebig ist und am Ball bleibt, ist vieles machbar. Die flexible Zeiteinteilung in der Gastronomie kann einem dabei auch zugute kommen: Mal kann man sich etwas mehr damit auseinandersetzen, mal braucht man eine kurze Pause, aber wenn das Ziel schließlich in Sicht ist, freuen sich alle auf das Endergebnis. Nach unzähligen Probelesern und diversen Veränderungen hier und da konnte das abgeschlossene Fotobuch „Eine kulinarische Reise“ dann endlich bestellt werden und die Auszubildenden strahlten wirklich vor Stolz, als sie das fertige Exemplar in den Händen hielten.

Theresa: „Ich fand es super, außerhalb des beruflichen Alltags etwas dazuzulernen. Mit dem Fotobuch haben wir etwas geschaffen, das anderen Menschen zeigt, wie vielseitig unsere Lehrberufe sind und wie viel Spaß uns die Arbeit macht.“

Rebecca und Lukas: „Wir haben ein Drei-Gänge-Menü kreiert und von der Planung bis zur Umsetzung viel dazu gelernt. Dabei sind wir ein super Team geworden und hatten echt viel Spaß.“

Und, wie sieht’s aus, hat Euch die Idee zu Eurem eigenen Fotobuch inspiriert? Ich freue mich auf Euer Feedback, Eure Fragen und neue Projektidee. Lasst gern einen Kommentar da oder schreibt uns unter info@mexxonomy.de!

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