Nicht nur in Bereichen wie der Medizin und öffentlichem Dienst ist der Bereitschaftsdienst ein bekanntes Konzept, auch in der Gastronomie sollen Mitarbeiter oft auf Abruf bereitstehen. Während es bei Ärzten und Pflegedienst allerdings zuweilen um Leben und Tod geht, macht hier vor allem die Unberechenbarkeit des Publikums einen Unterschied. Je nach Wetter, Events in der Nähe oder schlicht der Laune der Besucher kann es nämlich schnell einmal zu erhöhtem Gästeaufkommen und damit auch gleichermaßen steigendem Bedarf an Dienstleistern kommen. Um dabei nicht jedes Mal unnötig viel personelle Ressourcen zu verschwenden, setzen viele Arbeitgeber auf die Rufbereitschaft.

Kurz zur Erklärung der jeweiligen Begrifflichkeiten: Während Bereitschaftsdienst voraussetzt, dass sich der Arbeitnehmer an einem gewissen Ort aufhält, somit innerhalb kürzester Zeit für den Arbeitgeber zur Verfügung steht und deshalb auch gesondert vergütet wird, gilt für die Rufbereitschaft lediglich, dass der Beschäftigte sich für einen Arbeitseinsatz bereit hält und telefonisch erreichbar ist. Die Rufbereitschaft fällt somit im Arbeitszeitgesetz nicht unter die eigentlich Arbeitszeit, da der Arbeitnehmer seinen Aufenthaltsort frei wählen kann und lediglich innerhalb eines „angemessenen Zeitrahmens“ (wird dieser zu eng gewählt, fällt das Ganze unter Bereitschaftsdienst) zum Arbeitsort gelangen muss.

Erst beim tatsächlichen Einsatz bzw. auf dem Weg dorthin beginnt die Uhr für die abrechenbare Arbeitszeit. Das Problem daran: Bis dahin gilt die Rufbereitschaft gesetzlich als Ruhezeit. Wer allerdings jederzeit damit rechnen muss, einen Anruf zu bekommen, um sich auf den Weg zu seinem Arbeitsort machen zu müssen, kann dabei nur selten entspannen. Klar, wenn man ohnehin gerade nur für sich am Lesen oder Zocken ist, wird man sich an der abrupten Unterbrechung nicht sonderlich stören. Bei einem gemeinsamen Kinobesuch, einem Treffen im Restaurant oder einem Event mit Programm wirkt sich das Ganze allerdings schon deutlich kritischer aus. Auch dösen und entspannen ist zwar möglich, erholsamer Schlaf allerdings eher die Seltenheit, wenn man im Zweifelsfall schnell auf einen Anruf reagieren soll.

Auch mental ist das Ganze eine ziemliche Belastung – schließlich will niemand das Kollegenschwein sein, dass die anderen im Stich lässt, wenn es mal brennt. Aber wirkliche Entspannung sieht auch eindeutig anders aus. Insofern sollten Arbeitgeber immer genau abwägen, ob sich die Rufbereitschaft wirklich lohnt oder im Idealfall mit entsprechender Planung und Voraussicht wirklich nur in Notfällen darauf zurückgegriffen werden muss. Alles andere führt sonst auf beiden Seiten nur zu Unzufriedenheit und schlechter Stimmung. Was sind Eure Erfahrungen in diesem Bereich?

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